Informationen rund um den Dörrebacher Gemeindewald

 

Allgemeines:

Der Wald, eine Lebensgemeinschaft

Arm in Arm und Kron an Kron
steht der Eichenwald verschlungen,
heut hat er bei guter Laune
mir sein altes Lied gesungen. 
 
          (Gottfried Keller )

 

1. Der Wald aus überregionaler Sicht

    Die Wälder gehören zu den größten und beeindruckendsten Ökosystemen der Erde. Man findet sie überall, von den tropischen Regenwäldern bis zu den Nadelwäldern der nördlichen Taiga. Sie bedecken 29 % der Landfläche der Erde (3,8 Milliarden ha), davon 45 % Tropenwald. Die produktive Waldfläche beträgt 1,4 Milliarden ha. Das waldreichste Land Europas ist Finnland (71 %), das waldärmste ist England (5 %).

Die Bäume zeigen sich in unterschiedlichsten Formen. Ganz besondere Exemplare sind die Reedwoods, die Könige der Urwälder, in den Wäldern Amerikas. Diese Baumriesen werden 1000 Jahre alt, ca. 25 Meter dick und 100 Meter hoch. In ihren kaum erforschten Wipfeln leben Tiere und Pflanzen, die nie den Boden gesehen haben.

Der Wald hat für den gesamten Zivilisationsbereich des Menschen große Bedeutung. Leider ist von den Urwäldern Europas nur wenig übrig geblieben. So im Hasbruch bei Delmenhorst, im Wald von Unterlöß in der Lüneburger Heide, im Urwald bei Varel (Oldenburg), in der Arberseewand im Bayerischen Wald, an den Nordhängen der Tauern, in Val Cluoza, dem schweizerischen Nationalpark.

Die Urbarmachung setzte stets dort ein, wo der Urwald am schwächsten war. Die Erweiterung landwirtschaftlich genutzter Flächen, vor allem bei wachsender Bevölkerung (in Deutschland von 900 bis 1100 um 50 %) führte zu weiteren Rodungen. Dabei erkannte man aber sehr rasch, dass die willkürliche Abholzung, Verkarstung, Versandung, Hochwasserkatastrophen sowie Bergstürze zur Folge haben würde. So gab es bereits 1165 die ersten Rodungsverbote für den Lorscher Wald und 1177 weitere Verbote für das österreichische Stift Heiligenkreuz. Im 14. und 15. Jahrhundert waren Rodungen generell verboten. Der Waldbestand hatte sich inzwischen bis auf ein Viertel vermindert.

Das Zeitalter des Holzes war angebrochen. Geräte aller Art verschlangen ungeheure Massen an Holz.

Die Engländer besaßen um das Jahr 1790 eine Kriegsflotte mit mehr als 10.000 Schiffen, nur wenige dieser Schiffe wurden älter als 50 Jahre, erforderten also ständigen Neubau. Jedes nur mittelgroße Kriegsschiff verschlang etwa 4000 ausgewachsene Eichen.

Seit mehr als 800 Jahren tragen die Föhrenstämme des Freiburger Münsters den Glockenstuhl, ein schwingendes Gewicht von 300 Zentner. Die Steine des Turms verwitterten, das mit Ochsenblut getränkte Holz wurde dagegen eisenhart.

2. Die heimischen Waldgebiete

    Nach Hessen ist Rheinland-Pfalz das Bundesland mit dem zweithöchsten Waldanteil in der Bundesrepublik Deutschland. Es werden etwa 39,4 % (ca. 800.000 ha ) der Landesfläche von Wald bedeckt. Überall dort, wo die landwirtschaftliche Nutzung aufgrund naturräumlicher oder topographischer Gegebenheiten erschwert oder unmöglich ist, gibt es große Waldflächen. In weiten Teilen des Hunsrücks sind Waldanteile von über 50 % der Gemeindeflächen keine Seltenheit.

Ungefähr 26 % der rheinland-pfälzischen Forsten sind Staatsforsten. Etwa die Hälfte der Wälder (50 %) sind Körperschaftswälder, während die Privatforsten nur 21 % der gesamten Wälder in Rheinland-Pfalz einnehmen. Für die rund 1800 waldbesitzenden Gemeinden stellt der Wald eine bedeutende Aufgabe dar.

Die Waldflächen dienen nicht allein der Holzproduktion, sie übernehmen vielmehr wichtige ökologische und Erholungsfunktionen. Dadurch entstehen für den Waldbesitzer Nutzungskonflikte, die sich aus den Erfordernissen einer rentablen Holzproduktion einerseits und den Ansprüchen der Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes andererseits ergeben.

Entsprechend des Landesforstgesetzes von Rheinland - Pfalz ist die gesamte Fläche in Forstamtsbezirke eingeteilt. Davon ausgenommen ist der Privatwald.

3. Die ökologische Waldentwicklung

    Nach der großen Sturmkatastrophe im Jahre 1990 mit der Folge von Kahlflächen und lückenhaften Baumbeständen hat das rheinland-pfälzische Forstministerium alle Forstämter des Landes angewiesen, die Grundsätze eines naturnahen Waldbaus zu beachten, um dadurch eine ökologische Waldentwicklung zu ermöglichen. Die Fähigkeit des Naturhaushalts sich selbst zu regulieren, solle weitgehend genutzt werden. Eine natürliche Verjüngung und Entwicklung der Wälder sollen gefördert werden.

Naturgemäße Forstwirtschaft besteht im wesentlichen ausschließlich aus der Holzernte. Diese erfolgt nicht flächig, sondern Einzelbaum- oder Kleingruppenweise. Im Halbschatten des aufgelockerten Altbestandes stellt sich Naturverjüngung ein. Der Halbschatten gewährleistet, dass die Verjüngung nicht zu dicht aufwächst und dass sich die Jungbäume feinastig entwickeln.

Mit weiteren Eingriffen ins Kronendach des Altbestandes regelt der Forstmann den Lichteinfall und damit das Mischungsverhältnis der Verjüngung. Mehr Licht fördert Fichte, Kiefer, Eiche und Ahorn, weniger Licht hält sie zurück; dann können Buche und Weißtanne die „Lichtbaumarten“ überwachsen. Dies ist also nichts anderes als die raffinierte Steuerung des Lichteinfalls auf den Boden. Die teuren Pflanz- und Pflegekosten , die bei der früher üblichen Kahlflächenwirtschaft entstanden und auch die Maßnahmen gegen Vergrasung und Verunkrautung fallen weg.

Dieser naturnahe Waldbau erfordert angepasste Schalenwildbestände, insbesondere von Rot- und Rehwild. Die einschlägigen Bestimmungen des Forst- Landespflege- und Jagdrechts betonen die Vorrangstellung des Waldes. Danach sind die Wildstände so zu bewirtschaften, dass möglichst keine Wildschäden entstehen. Zuviel Rehe und Hirsche verursachen wirtschaftliche Schäden (Schälschäden, Verbiss und Aufwendungen zu deren Verhütung) sowie ökologische Schäden (Artenverarmung der Flora). Der Wald jedoch ist ganzjährig der wichtigste Lebensraum des Wildes. Demnach gehört Wild zum Wald. Der Streitpunkt ist lediglich die Einflussnahme von Rehen und Hirschen auf das Waldwachstum und die Dynamik der Waldverjüngung.

Nach den großflächigen Sturmschäden im Wald wurden zum Schutz der Forstkulturen zunehmend kostspielige Einzäunungen vorgenommen. Unbestritten ist die Notwendigkeit, bestimmte forstliche Kulturen vor Schälschäden und Wildverbiss zu schützen.

Die Art der Anlagen, das verwendete Zaunmaterial und die mangelhafte Kontrolle und Instandhaltung sowie die weitverbreitete Praxis, überflüssig gewordene Gatterzäune nicht mehr zu beseitigen, machen es dringend erforderlich, auf die Gefahren für Wildtiere unter dem Aspekt des Tierschutzes und Artenschutzes hinzuweisen.

Es handelt sich eindeutig um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wenn bei der Einrichtung, Instandhaltung und schließlich bei der Beseitigung von Forstgattern die erforderliche Sorgfalt außer acht gelassen wird.

4. Der Wald unseres Heimatraumes

    Im nördlichen Teil des Landkreises Bad Kreuznach, in der reizvollen Landschaft zwischen Nahe und Rhein liegt das Gebiet der Verbandsgemeinde Stromberg. Sie umfasst mit ihren 10 verbandsangehörigen Gemeinden eine Gemarkungsfläche von 7947 ha, davon sind über 50% ( 4659 ha ) Waldfläche.

Dörrebach, ein kleines Dorf in der Verbandsgemeinde Stromberg, liegt an der Nordwestseite des wald- und hügelreichen Kreises Bad Kreuznach. Seine Gemarkung ( 1314 ha ) befindet sich im Soonwald, der sich zwischen Guldenbach und Simmerbach ausdehnt. Der Soonwald ist nach dem Pfälzer Wald das größte zusammenhängende Waldgebiet Westdeutschlands.

In diesem Dorado für Rotwild gibt es nicht nur den Jäger aus Kurpfalz, hier fand auch der Hunsrücker Räuberhauptmann Schinderhannes seinen Unterschlupf.

Die Herkunft des Ortsnamens „Dörrebach“ soll von dem Bach hergeleitet sein, der in seinem späteren Verlauf ausgedörrt (versickert) ist.

Seinen Ursprung verdankt Dörrebach wahrscheinlich schon den Römern. Nach ziemlich guten Überlieferungen haben sich hier zwei Römerstraßen vereinigt. Die eine von Mainz Bingen, die andere von Kreuznach kommend. Die Straße führte dann von Dörrebach am sogenannten Atzweiler Kloster vorbei über Argental nach Neumagen an der Mosel. Daher liegt die Vermutung nahe, dass diese Gegend, vor dem Soonwald, schon sehr früh von Menschen bewohnt war.

In der Heimatforschung wird diese Römerstraße heute „Ausoniusstraße“ genannt.

Auf dieser Straße zog 368 der Prinzenerzieher Kaiser Valentinians und Dichter Ausonius zur Kaiserresidenz Trier (Augusta Treverorum). Sein Weg führte ihn von Bingen aus durch die einsamen Wälder des Hunsrücks. In dem Reisegedicht "Mosella" schilderte er seine Beobachtungen. Er berichtet auch von landwirtschaftlich genutzten Fluren bei Kirchberg - Denzen (Dumnisus) und wir erfahren von ihm, dass unweit Kirchberg Sarmaten angesiedelt wurden. Bemerkenswert ist, dass Ausonius bereits den Trockencharakter des Klimas im Kirchberger Raum erkannte. Die unser Gebiet betreffenden Verse sollen hier in der Übertragung von J. Hagen zitiert werden:

Waldeinsamkeit umfing mich; weit ab von Ackerfluren
Und nirgends, nah und fern, von Menschenwerk die Spuren.
Vorbei gings an Dumnisus, verdörrt vom Brand der Sonnen,
Vorbei auch an Tabernae mit seinen kühlen Bronnen.
Vorbei auch an der Siedlung, die jüngst man zugemessen
Sarmatischen Völkern hat, die jetzt hier angesessen.

Eine andere Übersetzung lautet:

Über die Nahe war ich gegangen,
dem nebelumwobten, eilenden Strom,
nachdem ich gestaunt, dass wiederum
Mauern Bingen umziehen.
Tief in die Wälder hinein nun
taucht die einsame Straße,
weit blieb jegliche Spur zurück
des menschlichen Anbaus.
An Dumnius kam ich vorbei
auf trockenen Fluren dürstend gelegen,
und dann bei dem quellreichen Tabern,
auch am Gefilde, das jüngst sarmatischen
Pflanzen verliehen ward.
Endlich winkte sie, die herrliche Burg von Weiland
Kaiser Konstantin, Neumagen, im vorderen belgischen Land.

In dieser einzigen Literaturstelle wird die Nahe erwähnt. Dumnius ist die heutige Ortschaft Denzen = 55481 Kirchberg. An die Sarmaten erinnern heute noch die Dörfer 55487 Sohren und Sohrschied. Die Sarmaten waren ein süddeutscher Volksstamm, und von den Römern im Hunsrück angesiedelt.

Die erste Urkunde, in der ein Teil des Ortes Dörrebach, nämlich der Gollenfels, genannt wird, stammt aus dem Jahre 1156. Der Ort Dörrebach wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1281 genannt: Am 8. Januar 1281 schenkte der ritterliche Pleban Wilhelm von Diebach seinen Besitz in den Dörfern Durrenbach, Daswilre und Warmensrod dem Kloster Otterburg (heute Otterberg) in der Pfalz bei Kaiserslautern.

4.1 Dörrebach und Seibersbach = eine Einheit

    Dörrebach und Seibersbach bildeten eine Herrschaft. Im Jahre 983 wurde sie von Kaiser Otto II. an Willigis, den Erzbischof von Mainz geschenkt. Die Herrschaftsrechte gingen im Jahre 1438 an das Mainzer Domstift über. Die Dörfer waren im späten Mittelalter an die Ritter Wolf von Sponheim verliehen, die wiederum Teile davon weiter verliehen hatten.

Die beiden Dörfer Dörrebach und Seibersbach gehörten um 1420 zu Kurmainz. Im Jahre 1420 wird „Johann von Friesenheim“ von Wachenheim mit „Durrenbach, Sibersbach“, den Dörfern Udenhausen und Vilbach, die Hoiffe mit den Gerichten und Zugehörungen, es sy an Wissern, Walden, Weyden und allen ihren Zugehörungen, von Erzbischof Conrad dem Dritten von Mainz (1419 - 1434) belehnt.

Bereits fünf Jahre später (1425) erhielten von demselben Erzbischof Conrad III. drei Mitglieder der Familie Wolf von Sponheim einen großen Teil dieser Ortschaften als Lehen.

Beide Gemeinden bildeten eine Einheit, entsprechend dem nachfolgenden Ausschnitt aus einem Weistum des Jahres 1476 (Von der alten deutschen Schrift umgeschrieben von Josef Lay, Daxweiler 1994):

In nomini Domini Amen

Von Dingen die mit der Zeit bestehn und mit der Zeit vergehn, und je länger wird mit der Zeit vergessen, der Sachen gewöhnlichen Schaden bringt. Darum ist Rat und Tat gut, dies mit einem Weisungsbrief und Siegeln zu bekräftigen und zu verwahren.

Darum sei Kund und zu wissen allen die dieses offenkundige Dokument kennen und besitzen, daß in dem Jahre als man zählt nach der Geburt unseres Herrn Jesu Christi, Tausend- vierhundert-siebenzig und sechs Jahre, in der elften Kaiserlichen Zinszahl indietio zu Latin genannt nach der Krönung unseres hl. Vaters des Herrn Vaters Sixti in dem Namen des vierten Babstis seiner Regierung.

. . . . . in dem neunundzwanzigsten Jahre, dienstags nach Sankt Martinus Tag, den siebenzehenden Tag des Monats Novembris, nachmittags um ein Uhr ungefehrlich in dem Dorfe Dorrenbach in dem Mainzer Bistum gelegen. In des Scholtesen Hanns Haus daselbst sind erschienen, vor mir offenbarenen Schreiber und Geschworenen Notarius mit meinen glaubwürdigen Gezügen, (Schriftzeichen) hierunten genannt, und unterschrieben haben die Edlen und Ehrenwertesten Heinrich von Sponheim und Johann Marschall von Walden, Ritter und Gerichtsherr zu Dorrenbach und Seibersbach, und sie haben auf erfordern von Herrn Scholles und Scheffen ein alter Brief von Pergament vorgelegt, indem ihr Weistum und Gerechtigkeit begriffen und von Wort zu Wort also lautet:

Item weist der Scheffe: mit Recht die Herren von Sponheim und die Marschall von Walden für Gerichtsherren zu Dorrenbach und zu Seibersbach zu gebieten über Hals und Halsbein über groß und klein und was einem Grundherren zusteht.

Item weist der Scheffe: wer sein Leibbeed (Leibeigensteuer) nicht gibt zwischen den zwei Liebfrauentagen, den mögen die Herren pfenden und in das Haus des Scholtes legen, vierzehn Tage und vierzehn Nächte, war es aber ein Versehen, so mögen sie ihn nicht länger halten als eine Nacht.

Item weist der Scheffe: dem armen Mann in dem Herren Wald, das Scheidholz, genannt die rauhe Weide, das Laub und dürre Holz und was sonst für den Wald schädlich ist, wie von alters her auf uns gekommen ist.

Item weist der Scheffe: wann es Eicheln gibt so haben die armen Leute fünfzig und fünf Stück Säu frei von Michaelistag bis Maria Lichtmess, und wenn es dann noch Eicheln gibt und die Säue noch bis Gertrudentag in den Wald führen wollen, so sollen sie sich mit dem Herrn einigen.

Als nun das Weistum verlesen war, so hat der ehrenfeste Heinrich von Sponheim, obengenannten Scholles und Scheffen mit dem Eid beladen und diese nach Urteil und Recht befragt:

Item ob Dorrenbach und Seibersbach ein Gericht und ein Bezirk sei, darauf haben die Scheffen geantwortet, ja, sie seien ein Gericht und ein Bezirk und eine Gemeinde.

In einem Aktenstück von 1549 wird ein Urteil erwähnt, wonach wir wiederholt die Bestätigung erhalten, dass die beiden Dörfer Dörrebach und Seibersbach Eigentum des Stifts zu Mainz sind und den Wolfen von Sponheim zum Lehen gegeben waren. Bis zum Jahr 1702 waren die Wolf von Sponheim die Junker und Gerichtsherren in Dörrebach und Seibersbach.

4.2 Besitzung der beiden Dörfer

    Durch die häufigen Kriegsunruhen waren die beiden Dörfer stark ruiniert, was die Bewirtschaftung sehr belastete und die Beteiligten veranlasste, ihre Besitzungen zu veräußern. Im Februar 1702 sind dann die beiden Orte in den Besitz des Freiherrn Graf Franz Adolf Dietrich von Ingelheim, übergegangen. Hierzu gehörten auch die Waldstücke Dörrebach/Seibersbach sowie das Schindeldorfer Hofgut, Gollenfelser Hofgut, Autishofer Gut, die Junkermühle und die Steinmühle an der Guldenbach.

    Als nun in der französischen Zeit 1797 die Franzosen das linke Rheinufer besetzten, wurden auch alle linksrheinischen Besitzungen des Grafen vom französischen Staat angezogen. Er bekam jedoch diese Güter nach langem hin und her wieder zurück, weil er im rechtsrheinischen Geisenheim wohnte und weitreichende Beziehungen, auch zu hohen französischen Stellen hatte. Aber die neu eingeführten Grundsteuern und dazu hohe Kriegssteuern hatten zum schnellen Verkauf geführt. Zudem scheint der Graf kein rechtes Vertrauen mehr in dieses hin und her mit seinen Gütern zu haben, denn bald darauf verkauft er seinen linksrheinischen Besitz an den Weinhändler Jakob Gunst aus Bingen.

Am 8. August 1807 verkauft vor dem Notar Karl Stein, der Graf von Ingelheim Karl Joseph, wohnhaft in Geisenheim im Nassauisch - Usingschen Gebiet:

1. den Wald in der Gemarkung Dörrebach und Seibersbach von ungefähr 2100 Morgen = 67200 ar mit allen Vorteilen und Beschwerden, einbegriffen das Weiderecht der Seibersbacher Bürger, die dafür 17 Malter , 6 Simmer und 3 ½ Sester Hafer liefern; dazu freie Weide für die Erbbeständer des Autishofes und die anderen Erbbeständer in der Nähe des Waldes, dazu noch 4 Klafter Holz für die Erbbeständer des Weinberger Hofes.
2. zwei Scheunen in der Gemeinde Dörrebach, die Zehntscheune und das Gärtchen.
3. 87 Morgen = 2240 ar Wiesen in Gaulsheim,
4. 27 Morgen = 864 ar Wiesen in Gaulsheim
 
den vorgenannten Besitz für 95.806 Franc unter folgenden Bedingungen:
 
1. Herr Gunst hat vom 1. Januar an alle Contributionen und Steuern zu zahlen.
2. Herr Gunst soll den bisherigen Förster in Dienst halten.
3. Witwen der verstorbenen Förster die Witwenrente gewähren, der Witwe des Otto Müller jedoch nur 1 ½ Klafter Holz.
4. Der Verkäufer soll innerhalb 6 Wochen alle Aktenstücke und Titels abliefern, welche auf die Immobillarstücke Bezug haben.
5. Der Käufer trägt die Aktkosten.

Damit war die jahrhundertlange Herrschaft der Wolfen von Sponheim zu Ende.

5. Die Nützlichkeit des Waldes für die Landsleute

    Der Gemeindewald Dörrebach, von dem später ein Teil urbar gemacht wurde, hat heute eine Größe von 236 ha und war über viele Jahrzehnte die Haupteinnahmequelle der Gemeinde. Lange Zeit erhielt jeder Bürger seinen Anteil Holz (Bürgerlos). Später als die Ausgaben stiegen, wurde es sämtlich verkauft.

Als im Jahre 1829 die Gemeinde Dörrebach das ehemalige gräfliche Schloss mit Garten von Nikolaus Lunkenheimer für 577 Taler ersteigert hatte, sollte zur Aufbringung der Kosten eine zusätzliche Holzfällung vorgenommen werden, wozu eine Genehmigung erforderlich war. Aus diesem Grunde hat die Bürgermeisterei Stromberg eine Beurteilung geschrieben zu der Frage, ob die Gemeinde Dörrebach außer dem vorgeschlagenen außerordentlichen Holzhieb noch andere Mittel besitze um die Kosten bestreiten zu können. Am 17. Juli 1829 schreibt Bürgermeister Dheil u.a. folgendes:

Die Gemeinde als solche besitzt 1061 Morgen (271 Hektar) ausgezeichnete schöne Waldungen und 227 Morgen Heide- und Ödfelder. Die Waldungen bestehen aus 91 Morgen (23 Hektar) Hochwald mit Eichenstämmen und der Rest ist Niederwald vermischt mit Oberständern.

Die Gemeinde besitzt außer den oben genannten keine andere veräußerbaren Gegenstände. Es ist daher auch unmöglich, außer dem bereits angetragenen außergewöhnlichen Holzhiebe, Mittel zu dem beabsichtigten Schulausbau in Vorschlag zu bringen. Dass der Gemeindewald den erbetenen außergewöhnlichen Holzhieb ertragen kann, ohne der Nachhaltigkeit zu schaden, bedarf wohl keines weiteren Beweises. Ebenso wenig kann in Abrede gestellt werden, dass alle Jahre so viel Holz gefällt und veräußert werden kann, als der Gemeindehaushalt erfordert. Die Ausgaben bestehen jährlich in 876 Taler. Unter diesen sind für Grundsteuer von den Waldungen, Gehalt des Försters, Kosten der Kommunalforstverwaltung und Forstkulturkosten 242 Taler einbegriffen. Die Einnahmen durch besondere Umlagen betragen 276 Taler. Es bleiben also durch jährlichen Holzverkauf aufzubringen, 600 Taler. Berechnet man den Wert des Waldes per Morgen 30 Taler, so stellt sich ein Kapital von 31.800 Taler heraus, welches sich zu 2 % schon auf 6036 Taler verzinst. Nimmt man hingegen 3 bis 4 %, wie es bei Waldschätzungen zu geschehen pflegt, so wird eine noch stärkere jährliche Ausbeute nicht allein möglich, sondern für das Interesse der Gemeinde notwendig.

Bei den traurigen Verhältnissen und der notorischen Armut des größten Teils der Einwohner der Gemeinde Dörrebach ist es nicht möglich einen Fond, sowohl in dem gegenwärtigen Augenblick, als auch für die Zukunft, für Gemeindebedürfnisse durch eine Umlage aufzubringen. Der Schöffenrat trägt daher gehorsamst an, dass es einer königlichen hochlöblichen Regierung gefallen möge, dem erbetenen außergewöhnlichen Holzschlage zu obigem Zwecke sowie für die Zukunft einem, der obigen Berechnung angemessenen, jährlichen Holzabtrieb zur Bestreitung der Gemeindebedürfnisse bewilligen zu wollen.

(Gezeichnet: Dheil, Bürgermeister)

 

Verfasser dieses Beitrages: Fridolin Feil

letzte Aktualisierung 09. März 2011